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Von Dr. Google zu Dr. KI: Wie KI das Patientenverhalten verändert

ExpoPharm Pre-Event

Im Vorfeld der ExpoPharm und des Deutschen Apothekertags in München brachte OMMAX führende Vertreter:innen aus Vor-Ort-Apotheken, ambulanter Versorgung, Pharmaindustrie und Cybersecurity zusammen, um über einen Wandel zu diskutieren, der das Gesundheitswesen bereits heute verändert: Patient:innen suchen nicht mehr nur nach Gesundheitsinformationen, sie fragen zunehmend KI.

Wenn KI zu einem immer früheren Kontaktpunkt in der Patient Journey wird, entstehen für Gesundheitsorganisationen neue Fragen: Wie bleibt man sichtbar, wenn sich die Informationssuche von Suchmaschinen zu LLMs verlagert? Wie verändert sich die Rolle von Healthcare Professionals, wenn Patient:innen bereits KI-informiert in die Beratung kommen? Und wie lassen sich Daten, Versorgungspfade und KI miteinander verbinden, ohne Vertrauen und Sicherheit zu gefährden?

Moderiert von Dr. Anja Konhäuser, Co-Founder von OMMAX, diskutierten Dr. Ina Lucas (ABDA), Arwid Zang (greenhats), Lutz Boden (Pharma Deutschland) und Dr. med. Markus Frühwein (Praxis Dr. Frühwein und Partner) diese Fragen aus unterschiedlichen Perspektiven.

Aus der Diskussion lassen sich fünf konkrete Handlungsfelder für Entscheider:innen im Gesundheitswesen ableiten.

5 Handlungsfelder für Healthcare Leader, wenn KI das Patientenverhalten verändert

1. Verstehen Sie, wo KI bereits heute in Ihre Patient Journey eintritt

KI-Nutzung ist längst kein Zukunftsszenario mehr. In Deutschland nutzen bereits 58 % der Menschen KI. Unter den KI-Nutzer:innen verwenden 71 % ChatGPT, 50 % Gemini und 43 % Microsoft Copilot, so eine Bitkom-Umfrage aus dem Jahr 2026 (Bitkom Research, 2026).

Auch bei Gesundheitsthemen gewinnt KI an Bedeutung. Laut Bitkom haben bereits 45 % der Menschen in Deutschland KI-Chatbots genutzt, um Symptome abzuklären oder allgemeine Gesundheitsfragen zu stellen (Bitkom, 2025). Internationale Daten zeigen, wie schnell daraus konkrete Handlungen entstehen können: Laut Rock Healths 2025 U.S. Consumer Adoption Survey haben 32 % KI-Chatbots für Gesundheitsinformationen genutzt. 64 % dieser Nutzer:innen greifen mindestens wöchentlich darauf zurück und 81 % haben nach einer KI-Interaktion mindestens eine relevante Handlung vorgenommen (Rock Health, 2025).

Auch die Paneldiskussion spiegelte diesen Wandel wider. Dr. Ina Lucas berichtete von Patient:innen, die zunehmend mit KI-informierten Fragen, vermuteten Diagnosen und konkreten Behandlungsvorschlägen in die Apotheke kommen.

Was Healthcare Leader jetzt tun sollten: Analysieren Sie, an welchen Stellen KI Ihre Patient Journey bereits beeinflusst, von der ersten Symptomrecherche und Produktsuche über die Beratung bis hin zu Behandlung und Follow-up. Identifizieren Sie die Momente, in denen Patient:innen bereits KI-informiert eintreffen, und definieren Sie, wo Ihre Organisation vertrauenswürdige Informationen, Validierung oder menschliche Orientierung bieten muss.

2. Richten Sie die Rolle von Healthcare Professionals stärker auf Interpretation statt reine Informationsvermittlung aus

KI verschafft Patient:innen einen bislang nicht gekannten Zugang zu Gesundheitsinformationen. Doch Zugang zu Informationen bedeutet noch nicht, diese richtig einordnen zu können.

Dr. Markus Frühwein beschrieb Patient:innen, die ihre Symptome bereits mithilfe von KI analysiert haben, als potenziell besser orientiert, wenn sie in die Sprechstunde kommen. Die Chance liegt deshalb nicht darin, mit KI bei der Informationsbeschaffung zu konkurrieren. Professionelle Expertise schafft dort den größten Mehrwert, wo Informationen individuell eingeordnet, Risiken erkannt und allgemeines Wissen in angemessene Handlungen übersetzt werden müssen.

Dr. Ina Lucas beschrieb aus Apothekensicht ein ähnliches Spektrum: von sehr gut informierten Patient:innen bis hin zu Menschen, die zwar eine KI-generierte Antwort erhalten haben, deren Bedeutung für ihre persönliche Situation jedoch nicht einschätzen können.

Was Healthcare Leader jetzt tun sollten: Gestalten Sie Patienteninteraktionen konsequent für eine zunehmend KI-informierte Zielgruppe. Befähigen Sie Teams dazu, früh zu verstehen, welche Informationen Patient:innen bereits erhalten haben, diese effizient zu validieren oder zu korrigieren und die verfügbare Beratungszeit stärker für individuelle Einordnung und den richtigen nächsten Versorgungsschritt zu nutzen.

3. Machen Sie vertrauenswürdige Gesundheitsinformationen für KI auffindbar

Wenn Patient:innen KI zunehmend am Anfang ihrer Gesundheitsreise nutzen, kann digitale Sichtbarkeit nicht mehr ausschließlich über Google Rankings, Websites oder klassische Suche gedacht werden.

Lutz Boden betonte die wachsende Bedeutung für Hersteller, verlässliche Produkt-, Arzneimittel- und Sicherheitsinformationen so bereitzustellen, dass KI-Systeme sie finden, verstehen und korrekt einordnen können. Technologieplattformen entwickeln sich damit zunehmend zu einem Vermittler zwischen Gesundheitsorganisationen und Patient:innen.

Für Healthcare- und Pharmaunternehmen entsteht daraus eine neue kommerzielle Disziplin: AI Visibility und Discoverability.

Was Healthcare Leader jetzt tun sollten: Prüfen Sie, wie Ihre Organisation, Produkte und Gesundheitsinformationen in relevanten LLMs dargestellt werden. Identifizieren Sie Informationslücken, verbessern Sie Struktur und Autorität Ihrer Inhalte und stellen Sie sicher, dass vertrauenswürdige medizinische und produktbezogene Informationen konsistent, maschinenlesbar und im digitalen Ökosystem zugänglich sind.

Dabei sollte AI Visibility kein isoliertes Marketingprojekt bleiben. Verknüpfen Sie das Thema mit CRM, Customer Intelligence, Commercial Activation und weiteren KI-Anwendungsfällen, um von einzelnen Initiativen zu skalierbarer Wertschöpfung zu gelangen.

4. Entwickeln Sie vernetzte Patientenpfade, bevor Sie über einzelne Kanäle und Zuständigkeiten diskutieren

Eine strukturelle Herausforderung zog sich durch die gesamte Diskussion: Patient:innen bewegen sich weiterhin durch ein fragmentiertes Gesundheitssystem.

Dr. Ina Lucas beschrieb das Potenzial von Apotheken, sich als niedrigschwellige lokale Gesundheits-Hubs weiterzuentwickeln und Menschen gezielt zum richtigen Versorgungspunkt zu führen. Voraussetzung dafür ist jedoch mehr als die Erweiterung einzelner Leistungen. Entscheidend sind Interoperabilität und vernetzte Informationsflüsse zwischen Apotheken, Arztpraxen und weiteren Leistungserbringern.

Ohne verlässlichen Zugriff auf relevante Informationen wie Medikation, Impfstatus und bestehende Erkrankungen droht jede Interaktion erneut bei null zu beginnen.

Was Healthcare Leader jetzt tun sollten: Beginnen Sie bei der Patient Journey und nicht bei organisatorischen Grenzen. Identifizieren Sie, wo Patient:innen heute Informationen mehrfach bereitstellen müssen, unnötige Übergaben erleben oder beim Wechsel zwischen Kanälen und Leistungserbringern Kontinuität verlieren. Priorisieren Sie Anwendungsfälle, bei denen gemeinsame Daten, klare Eskalationswege und interoperable Prozesse diese Friktionen reduzieren können.

Die erste Frage sollte lauten: „Wie sieht der optimale Patientenpfad aus?“ Erst danach sollte geklärt werden: „Welche Organisation oder Berufsgruppe übernimmt welchen Schritt?“

5. Behandeln Sie Security als Architekturentscheidung und nicht als abschließenden Compliance-Check

Mehr Vernetzung und zunehmende KI-Nutzung schaffen neue Möglichkeiten, aber auch neue Angriffsflächen.

Arwid Zang zeigte auf, wie stark sich das Sicherheitsumfeld beschleunigt hat. Sicherheitslücken, auf die Organisationen früher über Monate reagieren konnten, können heute innerhalb von Minuten ausgenutzt werden. KI schafft zusätzliche Risiken, weil Systeme zunehmend externe Daten, Dokumente und Anweisungen automatisiert verarbeiten.

Klassische Sicherheitsprüfungen erst am Ende eines Projekts reichen damit nicht mehr aus.

Was Healthcare Leader jetzt tun sollten: Binden Sie Cybersecurity-Expert:innen bereits in der Konzeptionsphase von KI- und Digital-Health-Initiativen ein. Definieren Sie, welche Daten in das System gelangen, woher sie stammen, welchen Systemen und Partnern vertraut wird, welche Aktionen ein KI-Agent ausführen darf und wie manipulierte oder kompromittierte Inputs erkannt werden.

Für jeden KI-Anwendungsfall mit Gesundheitsdaten sollten vor der Implementierung drei Fragen beantwortet werden:

  1. Welche Daten können in das System gelangen und woher kommen sie?
  2. Welche Aktionen darf die KI auf Basis dieser Daten ausführen?
  3. Was passiert, wenn entweder die Daten oder der KI-Output kompromittiert werden?

Security by Design sollte Voraussetzung für die Skalierung von KI im Gesundheitswesen sein und kein nachgelagerter Prüfschritt nach dem Go-live.

Von Adoption zu Outcomes: Was bis 2030 passieren muss

Mit Blick auf 2030 war sich das Panel einig, dass Erfolg an Ergebnissen und nicht an der KI-Adoption selbst gemessen werden sollte. Entscheidend ist, ob KI Menschen dabei unterstützt, bessere Gesundheitsentscheidungen zu treffen, die Gesundheitskompetenz verbessert, administrative Belastungen reduziert und eine effektivere, präventivere und stärker vernetzte Versorgung ermöglicht.

Dafür müssen Gesundheitsorganisationen heute handeln. KI muss mit klarer menschlicher Kontrolle, interoperablen Daten und Security by Design in Versorgungspfade integriert werden, statt als weitere isolierte Technologieschicht implementiert zu werden.

Auch die europäische digitale Souveränität spielt dabei eine zentrale Rolle. Je stärker Gesundheitsorganisationen von KI-Infrastrukturen und Plattformen abhängig werden, desto wichtiger wird es für Europa, nicht nur seine technologischen Fähigkeiten zu stärken, sondern auch eigene Innovationen im Bereich Healthcare AI zu entwickeln und zu skalieren.

Das Ziel für 2030 sollte deshalb nicht ein Gesundheitssystem sein, das einfach mehr KI nutzt. Es sollte ein Gesundheitssystem sein, das KI nutzt, um Versorgung zugänglicher, vernetzter, sicherer und wirksamer zu machen.

Über OMMAX 

OMMAX ist eine AI-first Beratung, die Unternehmen dabei unterstützt, mit KI messbaren Wert zu schaffen. Auf der Marktseite umfasst dies Sichtbarkeit, Umsatzgenerierung und Audience Engagement, intern Prozessoptimierung und Transformation. Healthcare, Life Sciences und Pharma gehören zu den größten OMMAX Practices. Zuletzt wurde der Bereich unter anderem durch Sandra Welchering, zuvor Partner for Healthcare bei BCG, Associate Partner bei McKinsey und 13 Jahre bei Bayer, sowie Chief AI Officer Lutz Finger, 13 Jahre im Silicon Valley und zuvor bei Google Health, LinkedIn und Snap, weiter verstärkt.

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